Fragen zum Projekt

1. Welche Ziele verfolgt das Technologieprojekt?
Mehr als 60 Millionen Menschen interagieren derzeit regelmäßig mit dem deutschsprachigen Web. Im Projekt „MIA - ein Marktplatz für Informationen und Analysen auf dem Datenbestand des deutschsprachigen Webs“ entwickelt ein Konsortium von sechs Forschungspartnern Verfahren für die Speicherung, die Veredelung und den Vertrieb dieses Datenbestandes sowie von Anwendungen in den Bereichen „Medien“, „Marktforschung“ und „Beratung“ auf einem zentralen Marktplatz.


2. Was ist der Nutzen des Projektes?
Die gemeinsame Nutzung der Daten erlaubt erstmalig interessierten Unternehmen eigenständig Analysen auf dem Datenbestand des deutschsprachigen Webs mit geringen Investitionen anzubieten und somit an der derzeit entstehenden Information Economy zu partizipieren. Dies ermöglicht völlig neuartige Geschäftsmodelle mit Informationen als elektronisch handelbarem Gut und bietet erstmals auch kleinen und mittelständischen Unternehmen den Zugang und Wettbewerb in diesem Markt. Beispielhafte Geschäftsmodelle auf dieser Grundlage sind das „Vermieten der Plattform“, das Anbieten von „Daten als Dienstleistung“ sowie der Vertrieb von Anwendungen – sogenannte APPs – zur Integration, Aggregation und Veredelung dieser Daten.


3. Welches Vorgehen haben Sie gewählt?
Um dieses Ziel zu realisieren, erfolgt eine Übertragung und Adaption von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in Cloud Computing und Informationsmanagement auf den sich derzeit herausbildenden deutschen und europäischen Cloud-Computing Markt, z.B. aus dem THESEUS -Alexandria Projekt, zwei EU-geförderten, integrierten Projekten – ROBUST und SCAPE –, sowie der einzigen derzeit von der DFG geförderten Forschergruppe für Cloud-Computing „Stratosphere“. Dadurch wird außerdem im Hinblick auf Green-IT ein ressourcenschonendes Cloud-Informationsmanagement erreicht. Zusätzlich wird das Potential von Cloud-Technologien für den Standort Deutschland, insbesondere für den Mittelstand, aufgezeigt und das Vertrauen zum Einsatz von Cloud-Technologien in Unternehmen gestärkt.


4. Welche technischen Herausforderungen sind zu bewältigen?
Technologische Basis und Grundlage für Cloud-basierte Informationsdienste des Marktplatzes ist eine elastische Plattform für Near-Real-Time- und auch Batchverarbeitung. Die Plattform ermöglicht die Ausnützung von Skaleneffekten zur Verbesserung der Kosteneffizienz, besitzt die erforderliche Skalierbarkeit und ermöglicht geeignete Abrechnungsmodelle zur Wertschöpfung aus der Vermietung der Plattform (PaaS) sowie dem Vertrieb von Daten (DaaS) und von Anwendungen (SaaS). Abgeleitete Daten können in den Marktplatz wieder eingespeist werden und sind dadurch mehrfach verwertbar. Eine Sicherheitsinfrastruktur ermöglicht einen nachvollziehbaren, verlässlichen Zugriff der Unternehmen auf den Marktplatz unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der Schutzrechte der Unternehmen.


5. Welche Vorteile ergeben sich für Nutzer aus Ihrem Projekt?
Das deutschsprachige Web bietet mit derzeit mehr als 6 Milliarden Webseiten ein außerordentliches Potential für zahlreiche Anwendungen. Derzeit ist die enorme Datenmenge des deutschsprachigen Webs für Unternehmen jedoch zugleich Verheißung und Fluch. In der Praxis verlassen die meisten Verfahren die Forschungslabore daher nicht. Trotz vielversprechender, bereits erforschter Verfahren zur Auswertung von Webdaten mangelt es an tragfähigen Geschäftsmodellen. Ein wesentlicher Hinderungsgrund sind die hohen Kosten zur Sammlung, Bereitstellung und Auswertung dieser Datenbasis. Um große Teile des Webs zu analysieren, müssen zunächst die nötige IT-Infrastruktur aufgebaut und die Daten beschafft werden. Außerdem fallen hohe Implementierungskosten und Kosten für die laufende Aktualisierung und Analyse der Daten an. Die damit verbundenen Risiken sind, besonders bei neuen Geschäftsmodellen, in der Regel für mittelständische Unternehmen nicht tragbar und stellen somit eine nicht unerhebliche Innovationsbarriere dar. Daher sind insbesondere mittelständische Unternehmen bisher aus Kostengründen nicht in der Lage, neueste Forschungsergebnisse im Bereich Cloud-Computing und Webmining in der, aufgrund immer kürzer werdenden Innovationszyklen, erforderlichen time-to-market in gewinnbringende Anwendungen zu transferieren.

Der MIA-Marktplatz stellt den Datenbestand, eine Plattform zur Verarbeitung und einen Marktplatz zum Vertrieb der Daten bzw. der Anwendungen bereit. In der ersten Pilotierung enthält der Marktplatz Anwendungsfälle für die Branchen „Medien“, „Marktforschung“ und „Beratung“. In weiteren Ausbaustufen werden eine Internationalisierung sowie die Ausweitung der bereitgestellten Dienstleistungen angestrebt.

Neben den Projektpartnern besteht bereits großes Interesse an der Plattform und an den Daten bei vielen deutschen und europäischen Unternehmen, die als Anbieter und Kunden an dem Marktplatz teilnehmen wollen, z.B. SAP AG, LG Electronics GmbH, Festool GmbH, GfK Marktforschung AG, Internet Memory Foundation, The Reach Group GmbH, Kinkon GmbH sowie der Apache Foundation (Hadoop/Mahout). Diese Organisationen dienen als Multiplikatoren und stellen dadurch eine Breitenwirksamkeit der Projektergebnisse sicher.